Erdbeben 2010 - MMS IN HAITI

Give me one dollar, give me food

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Es war 11.30 Uhr, als wir am 14. April 2010 mit einer kleinen internationalen Gruppe von fünf Leuten die haitianische Grenze überschritten. Wir waren mit 26 Menschen zwei Wochen zuvor in die Dominikanische Republik angereist, um an einem Seminar von Jim Humble über MMS teilzunehmen. Während des Seminars, das in der Nähe der haitianischen Grenze stattfand, wuchs in einigen Teilnehmern der Wunsch, Haiti zu besuchen, um kranken Menschen dort mit MMS zu helfen. In den letzten Tagen wurde dieser Wunsch konkret, als Jenny Jung, eine Koreanerin, über Internet Kontakt mit einer koreanischen Kirche in Haiti bekommen hatte. Die koreanische Kirche hatte in Porto au Prince, der Hauptstadt von Haiti, eine Mission, die uns einlud, sie für zwei Tage zu besuchen. Wir konnten dort schlafen und sie würden uns auch verpflegen. Natürlich nahmen wir diese Einladung gerne an. Als wir an der Grenze ankamen konnte man schon erkennen, welcher Zustand in diesem Land herrschte. Es stand ein Konvoi mit 80 Containern voller Hilfsgüter aus Kuba vor der Grenze. Einer der verantwortlichen Begleiter war fassungslos. Er erzählte uns, dass die Beamten die LKWs mit Container nur über die Grenze ließen, wenn sie 100 US Dollar pro Container zahlen würden. Er hatte keine 8000 Dollar und drohte, umzukehren und die Container auf der Straße in der Dominikanischen Republik zu leeren. 

Von der haitianischen Grenze aus führen wir zur der amerikanischen Botschaft in Porto au Prince, wo wir von Simon Kim, dem leitenden Pfarrer der Mission abgeholt wurden. Auf der Fahrt von der Grenze zur Hauptstadt bekamen wir einen weiteren Eindruck von dem ärmlichen Zustand, in dem sich dieses Land befindet. Wir wurden in der Mission durch einige amerikanische Koreaner sehr herzlich empfangen. Die Mission wurde von drei Menschen, die dort eine längere Zeit verblieben, geleitet. Ansonsten waren viele Koreaner dort, die nur für eine oder mehrere Wochen in der Mission mithalfen. Am Nachmittag wurden noch vier Ärzte aus Amerika erwartet. Ein Arzt war mit seiner Frau schon angereist. Die Mission hatte jede Woche neue Gruppen Ärzte zu Besuch, die von hier aus medizinische Betreuung in den Zeltlagern und Dörfern durchführten. Ein längerer Aufenthalt war den Ärzten emotional nicht zumutbar, wovon wir uns selber noch überzeugen konnten. Am Nachmittag hatte Pfarrer Simon Kim uns eingeladen, uns die Hauptstadt oder besser gesagt, was noch davon übrig war, zu zeigen. Wir führen mit einem kleinen offenen Truck zur Stadt und was wir dort sahen, war schwierig zu fassen. Porto au Prince musste mal eine große Stadt gewesen sein. Als wir uns der Stadt näherten kamen uns nur schwere mit Steinen voll beladene LKWs aus der Stadt entgegen und leere LKWs führen zur Stadtmitte zurück. Wir hielten am Stadtrand an und stiegen aus dem Auto, um uns ein besseres Bild von der Situation machen zu können. Ich lief zur Straßenmitte, wo ein Grünstreifen die Hauptstraße teilte. Die LKWs donnerten an mir vorbei. Die Luft war gesättigt von Staub und Dreck und hinter den Straßen wo einst Häuser gestanden hatten, liefen tausende von Menschen, die nur noch das hatten, was sie gerade am Körper trugen. Als wir an der Grenze ankamen konnte man schon erkennen, welcher Zustand in Haiti herrschte. Auch vor dem Erdbeben war Haiti schon das ärmste Land dieser Erde. 

Nicht, dass das Land die Menschen nicht ernähren könnte, aber die politische Korruption hat auch dieses Land an das Existenzminimum geführt. Simon Kim hatte uns an der amerikanischen Botschaft in der Hauptstadt abgeholt. Auf dem Weg von der Grenze zur Hauptstadt bekamen wir viel zu Gesicht, worüber im Fernsehen geschwiegen wird. Was wir zu sehen bekamen, war auch drei Monaten nach dem Erdbeben noch immer mehr als dramatisch. Ich war von meinen Reisen in Afrika das Betteln der Menschen und Kinder gewöhnt. Aber hier lernte ich, dass es beim Betteln noch unterschiedliche Stufen gibt. Die Menschen wussten, dass ich als Ausländer alles hatte, was sie nicht mehr hatten - täglich mehrere Mahlzeiten, Wasser und Geld. Diese Menschen hatten weder Mahlzeiten, noch Wasser oder sonst etwas. Fast alle, die mich sahen, hielten die Hand auf und ich wusste, dass diese Menschen, die mich anschauten und nur diese zwei Sätze sprachen:“ Give me one Dollar, give me food“, einen Grund zum Betteln hatten. Dies war kein Betteln mehr, dies war nur noch ein hoffnungsloser Kampf ums Überleben. Ich stand mitten auf der Straße zwischen tausenden Menschen und musste weinen. Ich konnte ihnen nicht helfen und merkte, wie ich anfing zu Gott zu beten. 

Zerstörung von Häusern 

Wir fuhren weiter zur Stadtmitte und sahen wie dort nur überall gebaggert wurde. Es gab nicht viele Häuser, die nicht in Trümmern lagen und die wenigen Häuser, die noch in Ordnung schienen, würden spätestens dann umfallen, wenn die in Trümmer liegenden Häuser neben ihnen weggebaggert würden. Zwischen den Trümmern saßen die Händler und verkauften ihre Ware. Geschäfte gab es nicht mehr, aber das Leben ging weiter. Es waren vier Monate nach dem Erdbeben vergangen und man sah, dass die Aufräumarbeiten nur langsam vorwärts gingen. Die Masse an Schutt, die entsorgt werden musste, war gigantisch. Eine Arbeit, die wohl noch Jahre andauern wird. Der Schutt, der aus der Stadt gefahren wurde, wurde außerhalb der Stadt ausgekippt. Je näher man ins Zentrum kam, desto chaotischer schien das Leben. Die Straßen waren voller Autos und Menschen. Der Lärm war unerträglich. Im Mund klebte der Geschmack von Staub und Dreck. Nach einer Stunde fuhren wir zum Flughafen und holten die angereisten Ärzte dort ab. Der Flughafen wurde schwer überwacht und überall auf den Straßen und auch in der Luft patrouillierten viele bewaffnete UN-Soldaten. Man hatte eher das Gefühl, hier handelt es sich um einen Kriegs- und nicht um einen Hilfseinsatz. Die Ärzte hatten neue Medikamente aus Amerika mitgebracht, die sie in den kommenden Tagen an die Menschen in den Zeltlagern verteilen wollten. Auf dem Weg zurück zur Mission streikte das Auto. Wir hatten Glück, es war nur das Benzin ausgegangen. Benzin war nur noch knapp an den Tankstellen vorhanden und wurde nun in den Geschäften in Literflaschen verkauft. Wir besorgten einige Flaschen Benzin und waren schnell wieder mobil. Als wir in die Mission zurückkamen, packten die Ärzte die Medikamente in kleine Plastiktüten mundgerecht ab, wir hatten nichts zu tun und halfen ihnen dabei. Am Abend, nach dem Abendessen, wollten alle wissen, was wir eigentlich so machen und wozu wir nach Haiti gekommen wären. 

Jenny übernahm das Wort und hielt in koreanischer Sprache einen Vortrag über MMS. Wir konnten nicht verstehen, was sie den Ärzten alles erzählte, aber nach ihrem Vortrag waren einige Ärzte für MMS offen und wollten es selbst probieren. Wir mischten einige Becher mit MMS und gaben es den Ärzten und den anderen Anwesenden. Zum Schluss bekam jeder ein englisches Buch von Jim Humble und einem Arzt, der ein Hautleiden hatte, wurde MMS auf den Arm gesprüht. Ein Arzt war sehr skeptisch. Er kam zu mir und fragte mich, ob alles was Jenny erzählt hatte wissenschaftlich untersucht wäre und ob MMS zugelassen sei. Ich versuchte ihm deutlich zu machen, dass MMS sich in der Praxis als erfolgreich herausgestellt hatte und es deswegen durch die Pharmazie unterdrückt wird.

Am Nachmittag sind die Koreaner mit uns nach Porto au Prince, der Hauptstadt von Haiti gefahren und haben uns die verheerenden Folgen des Erdbebens gezeigt. Als wir zurückkamen haben wir den Ärzten geholfen, die Medikamente für den nächsten Tag fertig zu machen. Am Abend haben wir den Ärzten alles über MMS erzählt. Die meisten zeigten ein großes Interesse für MMS. Jenny teilte MMS aus und schenkte jedem Arzt ein Buch von Jim Humble. Auch in der Missionsstelle musste improvisiert werden. Die Frauen schliefen drinnen und die Männer draußen. nie zugelassen werden würde. Er war damit nicht einverstanden und versuchte mir zu erklären, dass man MMS ohne Probleme zulassen würde, wenn es denn wirklich helfen würde. Er war ein Mediziner und glaubte fest an das herrschende medizinische System. An diesem Abend hatte ich noch sehr starke Zweifel, ob die Ärzte uns erlauben würden, am kommenden Tag mit ihnen zu gehen, um den Menschen MMS zu geben. 

In dieser Nacht schliefen wir mit den Ärzten draußen auf einer überdachten Terrasse. An diesem Abend hatte es wieder angefangen zu regnen. Wir waren in dieser Region der Erde in der Regensaison und ich musste an die vielen Menschen draußen denken. Wahrscheinlich hatte nicht jeder ein Zelt über dem Kopf. Am nächsten Morgen standen wir alle früh auf. Die Mission war mit so vielen Besuchern sichtbar überfordert. Es waren zwei Toiletten im Gebäude, aber das Wasser floss nur vier Stunden am Tag und auch nur dann, wenn nicht gerade der Strom ausgefallen war. Wasser zum Waschen gab es in einem Eimer. Keiner beschwerte sich über die Situation, denn alle wussten, dass dies noch ein Luxus war im Vergleich zu den Menschen, die kein Zuhause mehr hatten und auf der Straße oder im Zelt leben mussten. Wir frühstückten gemeinsam und nach dem Frühstück beteten wir und es wurden einige religiöse Lieder gesungen. Danach war es Zeit aufzubrechen. Wir wussten nicht wie und ob wir überhaupt heute etwas mit MMS machen konnten. Die Autos wurden mit Tischen, Stühlen und Koffern mit Medikamenten vollgeladen und auch wir packten unsere Sachen zusammen und stiegen mit den Ärzten in einen LKW, der uns in eines der vielen Zeltlager am Rande der Stadt fuhr. Als wir in einem der vielen Zeltlager Halt machten, kamen viele Menschen auf uns zugelaufen. Sie hatten uns schon erwartet. Die medizinische Betreuung sollte heute in dem Viertel stattfinden, wo Pfarrer Rene Fanor wohnte. Pfarrer Fanor hatte Kontakt mit der koreanischen Mission und sie hatten zusammen für heute den Termin mit den Ärzten geplant. Alles was die Ärzte brauchten, wurde nun ausgeladen und auf einen Platz gebracht, wo so etwas wie ein halbes Dach mit provisorischen Wänden stand. Früher, vor dem Erdbeben, hatte hier mal eine Kirche gestanden, erzählte man uns. Bevor die Ärzte ihre Arbeit anfingen wurde mit den Menschen ein Gottesdienst abgehalten und nach der Messe wurden die Behandlungstische von den Ärzten aufgestellt und ein längerer Tisch, auf den die Medikamente gelegt wurden. Jeder der fünf Ärzte hatte einen Tisch und nun, völlig unerwartet, wurde auch ein Tisch für uns aufgestellt. Wir waren überrascht und wussten noch nicht so recht, wie wir hier mit MMS bei den Ärzten vorgehen konnten. Draußen sammelten sich nun viele Menschen. Es waren hauptsächlich Frauen mit Kindern, die zu einer Behandlung kamen. Die Männer waren in der Stadt und mussten fürs Überleben sorgen. Den Wartenden wurden Kärtchen mit Nummern ausgeteilt und sobald ein Platz an einem der Tische der Ärzte frei wurde, wurde ein neuer Patient hereingelassen. Auf unseren Tisch hatten wir MMS gestellt. Weil wir vermuteten, dass es vor Ort kein Wasser geben würde, hatten wir aus der Mission vorsorglich einige Kanister mit Wasser mitgenommen. Unsere Vermutung bestätigte sich. Jo füllte nun die Becher mit MMS und Jenny stand vor dem Tisch. Ihre Aufgabe war es, den Menschen MMS zu geben. 

Adam und ich machten Foto- und Filmaufnahmen Am nächsten Morgen wurden Medikamente und Tische in einen LKW geladen und wir fuhren mit zwei Autos in ein Zeltlager, wo die Ärzte den Menschen medizinische Hilfe gaben. Ich hatte bis dahin nicht glauben können, dass sie es zulassen würden, dass wir den Menschen MMS gaben. Doch das Erstaunliche war, dass sie uns einen Tisch anboten und sagten, dass wir hier den Menschen MMS geben könnten. Nachdem die Patienten bei den Ärzten untersucht worden waren und Medizin bekommen hatten, verwiesen die Ärzte die Menschen an unseren MMS-Tisch, wo Jenny Jung den Haitianer MMS gab. und Mia half dort, wo sie gerade gebraucht wurde. Wir waren alle noch ein wenig unbeholfen, weil wir uns den Ärzten gegenüber unsicher fühlten und nicht wussten, ob sie das, was wir machen würden akzeptieren konnten. Es passierte nun etwas, dass uns allen wie ein Wunder erschien. Nachdem die Ärzte ihre Patienten untersucht hatten und ihnen die entsprechenden Medikamente, die auf dem langen Tisch lagen, ausgesucht hatten, brachten sie persönlich die Patienten zu Jenny und sagten den Patienten, dass sie von uns noch MMS bekommen würden. Wir waren „baff“, ließen uns aber nichts anmerken und erledigten unsere Aufgabe. Schon schnell hatten wir alle Hände voll zu tun. Jo mischte die MMS-Dosen zusammen und Jenny verteilte wie am Fließband das MMS an die Patienten, die von den Ärzten an unseren Tisch verwiesen wurden. Wir wussten nicht, welchem Umstand wir es zu verdanken hatten, aber sogar der Arzt, der am Vorabend skeptisch war, schickte nach seiner Behandlung seine Patienten zu uns und wir hatten alle das Gefühl, dass dies der Durchbruch für MMS war. Nach einigen Stunden wurde eine kleine Essenspause eingelegt und nun hatten wir Gelegenheit mit den Ärzten zu reden. Der Arzt der uns gestern seinen Hautausschlag gezeigt hatte und von Jenny MMS auf den Arm gesprüht bekommen hatte, zeigte uns seinen Arm und sagte, dass sein Hautausschlag weg war. Er war sehr begeistert von unserer Arbeitsweise mit MMS. Die Pause war von kurzer Dauer. Es standen zu viele Menschen draußen, die noch auf eine Behandlung warteten. Nach der Pause bin ich mit Pfarrer Rene Fanor ins Zeltlager gegangen. Er wollte mir den schlimmen Zustand, der in den Zeltlagern herrschte, zeigen. Ich weiß, dass er finanzielle Hilfe von uns erwartete. Vor dem Lager war eine Stelle eingerichtet, wo man Wasser bekommen konnte. Dieses Wasser war aber nicht zum Trinken geeignet und doch sah ich, wie Kinder dieses Wasser tranken, weil nichts anderes vorhanden war. Pfarrer Rene Fanor zeigte mir die Toilettenanlage. Leider war sie nicht angeschlossen und man konnte sie nicht nutzen. 

Behandlung am Fuss

Die Zeltlager waren tagsüber fast leer. Die Menschen kamen nur abends zu den Zelten zurück, um zu schlafen. Am Morgen zogen sie zur Stadt, um irgendeine Möglichkeit zum Überleben zu finden. Essen gab es in den Zeltlagern nicht. Der Pfarrer sagte, dass die Situation wirklich aussichtslos sei. Die Menschen haben nichts mehr - sogar die Hoffnung wurde ihnen genommen. Das Land hat kein Geld und die Bevölkerung ist auf die Hilfe anderer Länder angewiesen. Die Regierung ist korrupt und steckt das Geld in die eigene Tasche. Wie kann man ein solches Land jemals wieder aufbauen? Zwischen den Zelten und Ruinen standen Moringabäume. Ich sprach Pfarrer Fanor auf die Moringabäume an und fragte ihn, ob die Blätter des Moringas als Nahrung verwendet würden. Pfarrer Fanor sagte mir, dass man in Haiti die Blätter des Moringa Oleifera regelmäßig unter die Nahrung mischt oder als Gemüse und Salat verwendet. Die Menschen in Haiti kennen die Nahrungseigenschaften. Das Problem aber sei, dass man nicht nur von den Blättern alleine leben kann. Man braucht schon eine Grundnahrung aus Reis oder einen Brei als Substanz, unter die man das Pulver der getrockneten Moringablätter mischen kann. Im Moment gibt es das alles nicht mehr. Er erzählte mir, dass die Menschen nicht nur die Blätter des Moringbaumes, sondern auch von vielen anderen Bäumen als Nahrung nutzen. Wahrscheinlich kommt das daher, weil die haitianische Bevölkerung über Jahrzehnte in Armut lebt und wegen der großen Armut und des Hungers nach Alternativen in der Natur gesucht hat und so Moringa Oleifera und noch verschiedenen andere Bäume als Nahrungsquelle entdeckt hat. In der Dominikanischen Republik, wo ebenfalls der Moringa Oleifera wächst, wird er nicht als Nahrung verwendet. Dies weist schon darauf hin, dass es mit der Armut in Haiti zu tun haben muss, dass sie den Moringa für sich „als Segen“ entdeckt haben. Zum Schluss gab mir Pfarrer Fanor seine Adresse und legte mir ans Herz, die haitianischen Menschen nicht zu vergessen, wenn ich wieder in Europa wäre. Ich versprach es ihm - wie sollte ich diese Menschen hier auch vergessen können. 

Nicht nur die Regierung hatte in diesem Land völlig falsch gehandelt, sondern auch die Hilfsorganisationen. Man sah überall Zeltlager mit den Namen der Hilfsorganisationen auf den Zelten, die den Menschen ein Dach über dem Kopf gaben. Alles erweckte den Anschein einer billigen Werbekampagne. In der Stadt hatte man durch die bewaffneten UN-Soldaten den Eindruck der vollkommenen Kontrolle. Wie krass stand hier die Realität gegenüber den Berichten und Hilfsaktionen, die man im Fernsehen so oft gesehen hatte. Auch wenn ich nichts tun konnte, war ich sehr dankbar, dass ich an zwei Tagen bei diesen Menschen sein konnte, um für einige wenige Stunden mit ihnen ihr Schicksal teilen zu können. Die Menschen, die mir in dem Zeltlager begegneten berührten mich sehr. Ich wusste, dass sie wirklich nichts mehr hatten und vielleicht nie mehr etwas besitzen würden. Was mich jedoch am meisten an diesen Menschen berührte, waren ihre Augen. In Afrika habe ich es immer als sehr besonders empfänden, wenn ich Menschen, die völlig abgeschieden in der Natur lebten, in die Augen schauen konnte. Ich lernte wunderbare Menschen kennen, die keine Ansprüche mehr hatten. Es war dabei oft so, als ob man durch die Augen dieser Menschen in den tiefen Kosmos hineinschauen konnte. Hier in Haiti hatten die Menschen aber noch einen Anspruch. Sie lebten nicht in der Natur, die ihnen das Nötige zum Leben bieten konnte wie in Afrika. Es war bei diesen Menschen so, als würde man hinter den materiellen Vorhang schauen und sich nur noch die blanke Seele in den Augen der Menschen widerspiegeln. Bei dem Anblick dieser Menschen wird einem klar, was „Leben“ bedeutet, was Liebe heißt, Mitgefühl, Ehrfurcht und Dankbarkeit. Es spielt hier keine Rolle mehr was man einst besessen hat oder einst gewesen ist. Hier zählte nur noch was man als Mensch ausstrahlt. Was ich hier in den Augen der Menschen erleben durfte, erfüllte mich mit einer großen Ehrfurcht für den Schöpfer. 

 Als wir mit dem Pfarrer zurück zur Gruppe kamen, waren noch immer viele Menschen dort, die medizinische Hilfe benötigten. Die Ärzte hatten gesehen, dass an unserem Tisch das Wasser für MMS langsam ausging. Sie hatten Jenny und Jo ihr eigenes Trinkwasser gegeben, damit sie weiterhin MMS-Tropfen fertig machen konnten. Es war an diesem Tag sehr heiß und ich fühlte, wie meine Kehle durch den Durst geplagt wurde. Wir trauten uns fast selber nichts zu trinken, aber nachdem ich mit dem Pfarrer zurückkam, musste ich ein wenig Wasser in den Mund nehmen. Auf unserm Tisch standen zwei Reihen Plastikbecher mit verschiedenen Mischungen MMS-Tropfen. In den ersten Bechern waren die Tropfen für die Menschen mit Malaria. Sie bekamen jeweils 15 Tropfen MMS mit 15 Tropfen von einer 50%igen Zitronensäure in einem Viertel Becher Wasser. Daneben standen Becher für die üblichen Beschwerden mit 6 Tropfen aktiviertem MMS in etwas Wasser verdünnt für die Erwachsenen. Die Babys bekamen einen Tropfen und Kinder, je nach Alter bis zu drei Tropfen in einem halb mit Wasser gefüllten Becher. Pfarrer Rene Fanor zeigte uns am Mittag das Zeltlager. Es ist schon erstaunlich, mit wie viel Mut und Glauben manche Menschen wie Pfarrer Fanor noch auf Rettung und eine bessere Zukunft für ihr Land hoffen. Das einzige was das Land noch hat, sind seine Einwohner. Die Haitianer haben in den letzten zehn Jahren lernen müssen, mit ihrer Armut zurechtzukommen. Doch was ich in den Augen der Menschen sehen konnte, hatte mich sehr berührt. Wenn Menschen nichts mehr haben und nur noch das gilt, was man als Mensch im Herzen trägt, entfalten sich bei den Menschen oft wahre Schätze in der Seele. Jenny untersuchte die Menschen, die Hautprobleme hatten und sprühte mit einer 50ml-Sprühflasche, die mit einer Lösung aus 20 Tropfen aktiviertem MMS gefüllt war, die betroffenen Hautpartien ein. Es war schon sehr beeindruckend was sich dort abspielte. 

Viele Menschen brauchten Hilfe und es waren an diesem Tag Menschen aus verschiedenen Ländern hier gegenwärtig, die aus verschiedenen persönlichen Gründen sich spontan zusammengefunden hatten, um ihre Zeit und Energie für eine kurze Zeit mit diesen Menschen in Haiti zu teilen. Dieses zu erleben war keine Selbstverständlichkeit und ich war mit meinem ganzen Herzen dankbar, dass ich dies erfahren und hier mit dabei sein durfte. Ein besseres Timing konnte es wohl nicht geben. Es war fast drei Uhr, als keine neuen Patienten mehr zu den Ärzten kamen. Der Tisch mit Medikamenten war fast leer und wir hatten nur noch einige Tropfen MMS. Die Arbeit ging zu Ende und als es ruhiger wurde, war es, als ob wir alle gleichzeitig aus einem Traum erwachten. War das heute Wirklichkeit gewesen, war dieses eine neue Realität? War dies der Durchbruch für MMS? Ich glaube ja. Ich glaube, dass wir uns alle in diesem Moment bewusst wurden, was wir heute geleistet hatten. Wir hatten Geschichte geschrieben. Aber nicht nur wir, sondern auch die Ärzte, die uns und insbesondere MMS vertraut und uns eine Chance gegeben hatten. Doch wir waren heute nur Zuschauer gewesen. Den großen Erfolg hatten wir nur Jenny und Jo zu verdanken, die den ganzen Tag unermüdlich MMS-Tropfen vorbereitet und an die Menschen ausgeteilt hatten. Adam und ich hatten eine völlig andere Aufgabe. Wir hatten es geschafft, diesen großartigen Moment durch Foto und Film festzuhalten und für die Welt zu dokumentieren. Mia war das Glied, das in Zukunft den Kontakt zwischen der Mission und Jim Humble in der Dominikanische Republik ausbauen würde. Als ich einige Tage später die Fotos auf meinem Computer anschaute, habe ich nur noch gestaunt, als ich Jenny auf den Fotos sah, wie sie sogar zum Schluss noch immer völlig entspannt mit einem lachenden Gesicht Frauen und Kindern MMS gab. Alle hatten an diesem Tag Hochleistung vollbracht. Natürlich auch die Ärzte. Erst später, als die Arbeit vorbei war, fühlten wir, dass wir den ganzen Tag in der brennenden Sonne gestanden hatten. Die Hitze war unerträglich, aber während der Arbeit hatte dies jeder ignoriert, die Armen und Kranken waren uns wichtiger gewesen. Der Höhepunkt sollte aber noch kommen. 

Als alle Tische wieder zusammengeklappt waren kam der skeptische Arzt zu mir und bedankte sich mit einem Händedruck. „Wahrscheinlich habt ihr den Menschen am meisten von uns allen geholfen, ihr habt die Menschen von den Bakterien und Viren befreit und wahrscheinlich auch von Malaria geheilt“, sagte er. Ich war zutiefst gerührt und wusste darauf nicht viel mehr zu sagen. Das hatte ich nicht erwartet. Als ich dies den anderen erzählen wollte, sagten sie, dass er auch bei ihnen gewesen sei, um sich zu bedanken und um ihnen diese Worte zu sagen. Bevor wir von den Ärzten Abschied nahmen, wurde ich von einem der koreanischen Ärzte eingeladen, mit in das Amazonasgebiet zu gehen. Er hatte mir gesagt, dass er letztes Jahr dort gewesen sei und in diesem Jahr wieder dorthin gehen und auch gerne MMS mitnehmen würde. Er hatte Freunde dort und auch hier litten die Menschen weit verbreitet an Malaria. Es war drei Uhr, als wir uns definitiv verabschiedeten und in das Auto stiegen, das uns zur Grenze zurückbringen sollte.Wir wussten, dass wir eine Tür für Jim geöffnet hatten. Die koreanische Missionsstelle war offen für MMS. Sie hatten nicht nur uns, sondern auch MMS akzeptiert. Alle, ohne Ausnahme, hatten an diesem Tag ihre uneigennützige Nächstenliebe gezeigt, eine Liebe, die uns noch lange miteinander verbinden wird. Wir waren froh nicht mit leeren Händen zurück zu Jim Humble in die Dominikanische Republik gehen zu müssen. Wir alle hatten ihm ein großes Geschenk mitgebracht. Wir konnten ihm treu berichten, dass wir unser Ziel erreicht hatten und unser Wunsch, den wir allen im Herzen mit nach Haiti genommen hatten, mehr als erfüllt worden war. Wir konnten mit ehrlichem Stolz Jim erzählen, dass wir an diesem Tag einige hundert Menschen mit MMS von Krankheiten befreien konnten und dass die Menschen persönlich durch die Ärzte an unseren Tisch gebracht wurden. Es war 12 Uhr Mitternacht als wir vor Jim standen und ihm unsere Erlebnisse berichteten - Jim lachte. 

Das Team

Haiti, 15. März 2010. Jo Holdus, Leo Koehof, Mia Hamei, Adam Abraham, Jennifer Jun

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